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Assarbad

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#433

AW: Atomkraft und Demokratie (abgetrennt von Boykott von Amazon)

  Alt 25. Mär 2011, 20:57
Hallo Oli, hast du denn die Antwort auf alle Sachfragen oder auch nur auf wichtige Fragen wie z.B. die Energiepolitik?
Nein.

Wieso stimmen wir denn über Pappnasen ab. Es gibt doch eine ganze Reihe intelligenter Köpfe, die zur Wahl stehen: Physiker, Ärzte, Juristen. Alles Pappnasen?
Die meisten, ja. Mit der Bezeichnung "Pappnase" war nicht deren Intelligenz infrage gestellt - vielmehr ist damit gemeint, daß wir "Personen" oder "Persönlichkeiten" wählen und eben gerade nicht eine differenzierte Auswahl haben. Es gibt Themen da bin ich bei der CDU, andere da bin ich bei der SPD und dann einige da bin ich bei FPD, Linken oder Grünen.

Und genau das war es was die Piraten bis zu ihrer "Umstellung" wählbar machte. Die hatten sich einem Thema verschrieben. Und ja, ich hätte bei einer bundesweiten Stimme meine eine Stimme durchaus für dieses eine Thema "ausgegeben" ... Es gibt Konservative, Liberale, Genossen und andere die sich gegen Überwachung einig sind.

Sobald ich aber nicht nach Sachthemen sondern nach Personen oder einem abstrakten Wahlprogramm wähle, welches die meisten Leute nicht lesen - und welches m.M.n. oft so langweilig geschrieben ist, daß es gute Gründe für's Nichtlesen gibt - wird's düster.

Ich beschäftige mich nicht mit allen Themen gleichermaßen. Wie sollte ich auch, der Tag hat ja nur 24h. Aber, bei den Themen mit denen ich mich beschäftige habe ich mir eine Meinung gebildet. Die ändert sich wenn ich neue Fakten lerne oder alte Mißverständnisse ausgeräumt werden, aber ich habe eine. So, und das sind schonmal mehr Themen als nur eins. Aber alle vier Jahre bin ich aufgerufen meine eine Stimme abzugeben. Nicht etwa zu einem Thema, nein: zu einem Kandidaten, einer Partei oder einem Programm. Irgendwo ist da ein Mißverhältnis.

Und mir ist durchaus bewußt, daß die C-Parteien und diverse andere gegen mehr direkte Beteiligung sind. Glücklicherweise sind die Massen auch gut verdummt und der Rest gegeneinander aufgewiegelt (Bsp.: "böse Hartz-IVer" ...). Ewig wird man mit dem dämlichen Verweis auf die 1920er und 1930er in Dtl. aber ein Mehr an direkter Beteiligung auch nicht aufhalten können.

Wer wäre denn in deinem Maßstab keine Pappnase?
Jemand der nicht aufgrund seines Charismas populär (im Wortsinne) ist, sondern der aufgrund seiner Qualifikation - unbesehen seiner Äußerlichkeiten - den entsprechenden Posten inne hat.

Und was spricht denn gegen Kommissionen? Es ist doch sinnvoll, Themen von Experten erarbeiten zu lassen, dann abzuwägen und Entscheidungen treffen.
Wenn es Experten sind, gern. Wenn diese Experten fürstlich von Steuergeldern entlohnt werden, damit sie ihre objektive Expertise und nicht etwa den feuchten Wunschtraum der einen oder anderen Seite unterstützen, immernoch gern. Leider sieht das in der Praxis meist anders aus. Schon unsere Abgeordneten, die angeblich nicht weisungsgebunden sind, sind dennoch oft überweisungsgebunden. Nämlich an die Überweisungen von diversen Konzernen und anderen Lobbyvertretern.

Nebenbei bemerkt: Weisungsgebunden sind sie ja angeblich nicht, aber Fraktionsdisziplin ein äußerst undemokratisches Instrument gibt es dennoch im dt. Parlament. Welch eine Schande.

Wie sähe denn deines erachtens ein "professionelleres" Vorgehen aus?
Mehr direkte Beteiligung. Information statt Desinformation.

Ich traue auch den radikalsten Grünen zu, daß sie dennoch die Realität sehen, daß es nicht von heute auf morgen geht. Eigentlich ist das ja im Atomkonsens schon ersichtlich gewesen ... der war auch auf Jahre in die Zukunft ausgelegt. Und wenn man in X Jahren noch immer nicht weit genug ist, na dann muß man halt nochmals entscheiden.
Oliver
"... aber vertrauen Sie uns, die Physik stimmt." (Prof. Harald Lesch)