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Über Apfelbäumchen-Lizenzen

Ein Thema von mjustin · begonnen am 26. Apr 2014 · letzter Beitrag vom 28. Apr 2014
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mjustin

Registriert seit: 14. Apr 2008
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#1

Über Apfelbäumchen-Lizenzen

  Alt 26. Apr 2014, 09:55
Tipp vorweg: es geht hier vordergründig um Obst, aber ein Zusammenhang mit Softwarelizenzierung und den Fall, dass der potentielle Kunde anstatt einer bestimmten Anzahl von Lizenzen einfach "beliebig viele" kaufen möchte, kann nicht ausgeschlossen werden.

Eine Bäuerin hatte in ihrem Obstgarten einen schönen Apfelbaum, aus deren Früchten sie einen vorzüglich schmeckenden Saft herstellte, dessen Verkauf ein kleines Zubrot brachte. Die Äpfel jedoch verkaufte sie nur zu einem recht hohen Preis von einem Taler, da man diese ja einpflanzen konnte und so einen eigenen Apfelbaum erhielt.

Eines Tages erschien ein Landschaftsarchitekt aus einem fernen Land auf dem Hof und erklärte, er wolle Äpfel kaufen, um bei der Gestaltung von Schlossgärten und Parks reicher Familien neben anderen Gewächsen auch jeweils einen Apfelbaum zu pflanzen. Der Landschaftsarchitekt versicherte, dass die Apfelbäume und ihr Ertrag nur für den Eigenbedarf dieser Familien genutzt werden würden.

Er bat die Bäuerin schliesslich einen Preis zu nennen. "Aber", fügte er hinzu, "wir möchten nicht für jeden neuen Garten den wir anlegen jeweils einen einzelnen Apfel kaufen müssen".

Die Bäuerin verstand, dass der Landschaftsarchitekt auf einen Handel aus war, bei dem er eine unbekannte und damit praktisch unbegrenzte Anzahl Äpfel zu einem günstigen Preis erhielt.

Die Bäuerin überlegte nun:
* bei einem viel zu hohen Preisangebot würden sie sich sicher nicht handelseinig
* bei einem viel zu niedrigen Preisangebot würden sie zwar einen Handel abschliessen, aber ihr würden einige Taler entgehen

Sie versuchte es mit Meditation über fraktale Apfelmännchen-Diagramme, aber auch nach vielen Rekursionen hatte sie keine Idee. So wandte sich dann schliesslich an das Internet...
Michael Justin
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r2c2

Registriert seit: 9. Mai 2005
Ort: Nordbaden
925 Beiträge
 
#2

AW: Über Apfelbäumchen-Lizenzen

  Alt 26. Apr 2014, 10:56
Die Bäuerin lebte in einer Zeit, in der zwei Könige das Land regierten. Der eine König hatte den Namen "Angebot". Seinen Bruder nannte man "Nachfrage". Diese beiden Könige ließen es sich nicht nehmen, auch den Preis für die Äpfel zu bestimmen.

Die beiden Könige bestimmten, dass Laurenz der Landschaftsarchitekt nur dann die Äpfel kaufen dürfe, wenn sie ihm zum Nutzen gereichen sollten und dieser Nutzen den Preis überstieg. Dazu war Laurenz verdammt, betriebswirtschaftliche Überlegungen anzustellen. Weil Betriebswirtschaft doch sicherlich etwas mit Wirtschaft zu tun hatte, begab er sich in eine ebensolche und bestellte ein Bier. Als er den Wein schon halb ausgetrunken hatte, stellte er die Limo hin, blickte das Glas mit dem Apfelsaft schief an und sagte: "Wenn mir die Bäuerin die Äpfel zu teuer macht, kauf ich bei dem ollen Händler auf dem Markt. Der hat auch schöne Birnen. Und Birnen sind auch was feines. Wenn nicht, soll man mich Ribbeck nennen." Als ihm die Cola weiter in den Kopf stieg, fiel ihm ein, dass man ja alles mit einem Wert belegen konnte. Und er stellte folgende Überlegung an: "Ich möchte jetzt 100 Gärten anlegen und brauche 100 Äpfel jetzt sofort. Das macht dann 100 Taler. Außerdem gehe ich davon aus, dass ich später noch 100 weitere Gärten anlegen muss. Normalerweise müsste ich für weitere 100 Taler Äpfel kaufen. Wobei ich zu der Zeit vielleicht auch ne günstigere Bäuerin gefunden haben könnte. Damit sich das Geschäft mit den unbegrenzten Äpfeln lohnt, muss es also deutlich günstiger sein, als 200 Taler." Laurenz nahm noch einen Schluck Kaffee und da fiel ihm die Sache mit den Birnen wieder ein. "Meine Auftraggeber zahlen mir für Birnbäume etwas weniger als für Apfelbäume. Aber Birnen krieg ich schon für nen halben Taler." Der Tee schmeckte viel zu salzig, aber nach einer kruden Milchmädchenrechnung kam er zu dem Ergebnis, dass es wohl ungefähr 180 Taler kosten würde, die Auftraggeber von Birnen zu überzeugen, diese zu kaufen und rot anzumalen. Ist erstmal ein bisschen teuer, aber auf lange Sicht, rentiert sich das. Außer das Geschäft mit den unbegrenzten Äpfeln wird noch was. Dann müsste es aber günstiger sein, als 180 Taler." Endlich kam das bestellte Bier. Laurenz lies das Bier stehen, kippte das Wasser aus und machte sich auf den Weg zur Bäuerin ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, seine Zeche zu bezahlen. Der Wirt wurde daraufhin totunglücklich, schloss sein Lokal und machte eine Umschulung zum Kirschbaumbesitzer.

mfg

Christian
Kaum macht man's richtig, schon klappts!

Geändert von r2c2 (26. Apr 2014 um 11:00 Uhr)
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Benutzerbild von Phoenix
Phoenix
(Moderator)

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7.528 Beiträge
 
#3

AW: Über Apfelbäumchen-Lizenzen

  Alt 26. Apr 2014, 13:15
Cool
Die Art der Fragestellung und die Art der Antwort ist echt cool.

Ich bin leider nicht so krativ drauf, aber das ganze klingt nach einer angefragten Royalty-Free oder 'Enterprise' Lizenz. Es gibt da mehrere Modelle, aber ich würde mich mit allen Mitteln dagegen wehren, einen echte "unbegrenzte Nutzung für Festpreis"-Deal zu machen.

Letzten Endes verkauft der Typ einen Apfelbaum mit. Selbst wenn er ihn nicht verkauft sondern nur als Dreingabe mitgibt, entsteht ihm ein Vorteil da er etwas ohne Materialeinsatz nutzen kann. Er hat also pro Einsatz genau einen Taler gespart. Bei n Einsätzen spart er n Taler.

Wenn Du eine Aussage darüber treffen kannst, wie groß n ist, kannst Du vielleicht einen großzügigen Rabatt einräumen und die Äpfel bei n ~ 1000 vielleicht für 750 Taler weggeben. Er spart immernoch 250 Taler und hat dadurch einen Vorteil. Wird n dann aber 2000 groß, spart er 1250 Taler und Du bleibst auf Deinen 750 sitzen. Der Hebel ist also auf der anderen Seite. Am Anfang mag der Deal für Dich vielleicht rosig aussehen, aber hat er mehr Erfolg als erwartet, so guckst Du am Ende in die Röhre, da er mit DEINER Arbeit Einparungen macht und darüber letzlich wieder verdient.

Platzierst Du aber einen Hebel über die Anzahl, kannst Du weiter daran partizipieren.
Beispiel:
Für die ersten 10 Äpfel gewährst Du 5% Rabatt, für die nächsten 25 10%, für die nächsten 50 15%, für die nächsten 100 dann schon 20% usw.

Das hat mehrere Vorteile:
1.) Der Käufer hat einen Ansporn, mehr zu vertreiben, da er umso mehr spart, je mehr er los wird
2.) Du partizipierst am Ende immer mit. Je mehr er verkauft, desto mehr verdienst auch Du.
Gegen Ende (also für große n) bekommst Du zwar immer weniger, aber dafür hast Du am Anfang ja schon vielmals verdient.

Wenn ich oben schrieb, ich würde mich mit allen Mitteln dagegen wehren, meine ich das auch so.
Ich würde einen solchen Deal grundsätzlich nicht eingehen. Ausser, ich verdiene damit so viel, das ich nie mehr arbeiten müsste (also einige Millionen müssen da drin sein).

Atlassian hat z.B. für seine Produkte ein Modell, das mit der Nutzerzahl skaliert.
Auch so wird sich sicher ein Modell finden lassen, das für beide Parteien fair ist und niemanden auf kurze und auf lange Sicht zu sehr benachteiligt.
Sebastian P.R. Gingter
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Do not argue with an idiot. They lower you to their level and then try to beat you with experience.
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mjustin

Registriert seit: 14. Apr 2008
2.806 Beiträge
 
Delphi 2009 Professional
 
#4
  Alt 27. Apr 2014, 19:28
Ui, ich bin sehr erfreut bis begeistert über die Antworten - und Danke für die investierte Zeit und Kreativität und die Empfehlung nicht sofort zu nachgiebig zu sein
Falls es interessant wird, schreibe ich wie es mit dem "Obstverkauf" weiterging / endete.
Michael Justin
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mensch72

Registriert seit: 6. Feb 2008
828 Beiträge
 
#5

AW: Über Apfelbäumchen-Lizenzen

  Alt 28. Apr 2014, 19:25
Mit Obst habe ich es nicht so... deshalb etwas näher am Ziel:

- Software wird nicht verkauft, sondern vermietet
- ergo gibt es nur "MasterKeys" auf Zeit... es lassen sich innerhalb 12 Monaten beliebig viele Arbeitsplätze aktivieren, welche maximal bis 6Monate nach Keyablaufdatum genutzt werden können.
- nach 12 Monaten können also keine neuen Installationen mehr aktiviert werden
- bestehende Installationen laufen noch 6 Monate nach Lizenzablauf weiter (Klärungsphase für Vertragsverlängerung)
- zur Sicherheit für Insolvenz/Herstellerausfall ist ein "unendlicher" Key bei einem Notar hinterlegt, welcher den im Fall der Fälle regelbasiert heraus geben könnte

Die Software kann also zw. 6..18Monaten "beliebig" genutzt werden. Im Durchschnitt als 12Monate. Ergo wird alle 12 Monate eine "IstErfassung" durchgeführt und das ergibt die Kalkulationsbasis für die nächste Mietperiode. Microsoft hat zufällig exakt so ein Modell im höherem "OpenLevel"

Edit:
6+3 Monate ist zwar mehr Verwaltungsaufwand, lässt sich aber besser mit "Zwangs" Updates&Patches kombinieren, ideal wenn es irgendwo zentrale Services gibt, die nur genutzt werden können, wenn Clientseitig stets eine recht aktuelle Version läuft

Geändert von mensch72 (28. Apr 2014 um 19:30 Uhr)
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